Vaghe stelle dell’orsa (Sandra)
Mit ihrem Ehemann kehrt die schöne Sandra (Claudia Cardinale) ins heimatliche Volterra zurück, wo ihr Vater – ein jüdischer Wissenschaftler, der im Konzentrationslager starb – geehrt werden soll. Das Wiedersehen mit der Mutter ist eisig, das mit dem Bruder zärtlicher als es der Anstand erlaubt. Familientragödie und Verzweiflung in der zerbröckelnden Oberschicht: Visconti-Leitthemen in einem eleganten, opaken Arrangement. Wegen der Zutaten Verrat und Inzest gern als "moderne Elektra" ausgelegt, vom Schöpfer selbst als Krimi charakterisiert, "der anders als ein normaler Krimi" ist: am Anfang alles klar, am Ende alles dunkel. Der visuelle Virtuose Visconti übertrifft sich selbst im Spiel mit Spiegelbildern und Verschleierung, dem Lockruf der Dunkelheit – dieweil der Originaltitel die funkelnden Sterne mit einer Gedichtzeile von Giacomo Leopardi beschwört. (C.H.)