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BYE BYE, PARAÍSO
Vilma hat es geschafft. Nach einer Jugend voller Entbehrungen lebt die 45-Jährige nun in einem großen Strandhaus in einer der exklusivsten Gegenden Costa Ricas. Das Meer rauscht, die Sonne scheint, und alles wirkt wie das Paradies, das sie sich immer erträumt hat. Doch der Schein trügt. Das Haus gehört ihr nicht. Der Mann, der es finanziert, lebt in den Vereinigten Staaten und kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Richard ist siebzig, sie nennt ihn ihren „Prinz Charming“, und ihr gesamtes Leben hängt an seinen Überweisungen. Als er in diesem Jahr nicht auftaucht, die Kommunikation abbricht und das Geld knapp wird, beginnt der Traum zu bröckeln.
Allein in einer Umgebung, die von Touristen, steigenden Immobilienpreisen und sozialer Ungleichheit geprägt ist, muss Vilma sich der Frage stellen, die sie jahrelang verdrängt hat: Wer ist sie, wenn der „Retter“ ausbleibt? Was bleibt von einer Identität, die auf der Erwartung eines anderen aufgebaut wurde? Zwischen der überwältigenden Kulisse des Touristenparadieses und den leisen Rissen in ihrer Fassade entfaltet sich ein einfühlsames, scharf beobachtetes Porträt über Abhängigkeit, weibliches Altern und die Suche nach Autonomie in einem Land, das seine eigene „paradiesische“ Erzählung verkauft.
Regisseurin Kim Elizondo Navarro, Absolventin der EICTV in Kuba, hat für ihr Langfilmdebüt über sechs Jahre recherchiert – mit einem Fokusgruppen-Interview mit Frauen über 40, Gesprächen mit dem kreativen Team und persönlichen Erinnerungen an die Migration ihres eigenen Großvaters in die USA. Entstanden ist ein Film, der seine Protagonistin nie verurteilt, sondern verstehen will, wie man an einen Ort der Abhängigkeit gerät – und was es kostet, ihn zu verlassen. Eine Tragikomödie über die Schattenseiten des Paradieses und über eine Frau, die lernt, ohne ihren „Prinzen“ zu leben.