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Metro Kinokulturhaus
Wien
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Elfriede Jelinek – die Sprache von der Leine lassen

Donnerstag
15.10. 19:00
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Elfriede Jelinek – die Sprache von der Leine lassen

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Filmreihe

Retrospektive: Elfriede Jelinek

Datum 7.10. bis 5.11.

Location Metro Kinokulturhaus

»Ich hoffe, das interessiert wen …« Viel mehr hatte Elfriede Jelinek zu ihrer kleinen filmischen Würdigung anlässlich ihres 80. Geburtstags nicht zu sagen. Ein Satz, der ebenso beiläufig wie programmatisch klingt: selbstironisch, skeptisch und vielleicht auch ein wenig misstrauisch gegenüber der Vorstellung, sich feiern zu lassen. Dabei gäbe es – auch abseits des Jubiläums – durchaus Anlass dazu. Jelinek gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Gegenwart, erhält 2004 den Nobelpreis für Literatur und seziert mit ihren Romanen, Theaterstücken und Essays die österreichische Nachkriegsgesellschaft wie kaum eine andere. Dass ihre Spuren dabei immer wieder ins Kino führen, ist weit mehr als ein Nebenschauplatz ihres Werks.

Denn Jelineks Texte arbeiten mit Stimmen, Bildern, Wiederholungen, Brüchen und Montagen. Sie legen offen, wie Sprache Wirklichkeit nicht bloß beschreibt, sondern sie vielmehr herstellt. All das macht ihre Literatur nicht automatisch »filmisch« – im Gegenteil: Jelineks Sprache ist eigensinnig und widerständig gegenüber jeder eindeutigen Übersetzung in Bilder. Aber vielleicht sind gerade deshalb ihre Texte für das Kino so reizvoll. Ihre Romane sind mehrfach Ausgangspunkt bemerkenswerter Filme: DIE AUSGESPERRTEN zeichnet aus der verdrängten österreichischen Vergangenheit ein düsteres Gesellschaftsbild; Michael Hanekes DIE KLAVIERSPIELERIN überführt die beklemmende Innenwelt der Vorlage in eine kühle, körperliche Filmsprache. Mit LIEBHABERINNEN der jungen luxemburgischen Künstlerin Koxi steht eine aktualisierte Bearbeitung aus Jelineks Frühwerk kurz vor dem Kinostart – und wird im Rahmen der Retrospektive ebenfalls gezeigt.

Doch Elfriede Jelinek ist im Kino nicht nur Autorin – sie ist auch eine aufmerksame und leidenschaftliche Zuseherin. Ihre Auseinandersetzung mit Filmen folgt dabei ähnlichen Prinzipien wie ihre Literatur: Sie misstraut dem Offensichtlichen, hinterfragt die Macht der Bilder und kann sich zugleich auf sie einlassen. VERTIGO, CARNIVAL OF SOULS und LOST HIGHWAY sind nicht zufällig in diesem Programm: Das sind Filme, an denen sich etwas von jenem Blick ablesen lässt, mit dem Jelinek selbst auf die Welt und ihre Bilder schaut. Und dann ist da noch HEIMKEHR, Gustav Ucickys Propagandafilm, der zu einer der großen Konstanten in Jelineks Arbeit führt, nämlich der Frage, wie eine Gesellschaft ihre Vergangenheit verdrängt, um ihre Gegenwart zu ertragen. So begegnet uns eine Autorin, die es vermag, mit ihrem Denken Bilder aus dem Gleichgewicht zu bringen und uns misstrauisch zu machen. Ob das jemanden interessiert? Wir hoffen es sehr!
(Florian Widegger)