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Filmreihe

FILME VON FREDERICK WISEMAN

LocationGartenbaukino

Über sieben Jahrzehnte beobachtete Frederick Wiseman Krankenhäuser, Gerichte, Schulen, Stadtverwaltungen, Einkaufszentren, Theater, Parks, Kasernen, Bibliotheken, Museen und hat uns diese Institutionen wie Romane lesen lassen. Immer mit derselben geduldigen, unaufgeregten Aufmerksamkeit, immer ohne erklärende Off-Kommentare, Talking Heads oder nicht-diegetische musikalische Unterstützung. Aus hunderten Stunden Material montierte Wiseman präzise Dramaturgien, die Strukturen, Machtverhältnisse, Routinen und Widersprüche sichtbar machen.

Im Februar 2026 ist Frederick Wiseman im Alter von 96 Jahren gestorben. Der „Summer of Sadness“ widmet ihm eine konzentrierte Hommage, in der wir uns noch einmal durch Räume führen lassen, in denen Wissen, Kunst, Natur und Genuss organisiert, verwaltet, verkauft und verteidigt werden. Wiseman interessiert sich dabei für die vielen Hände, die eine Institution am Laufen halten.

Die fünf Filme zeigen, wie sehr Wisemans Blick im Lauf der letzten Jahre formell strenger und inhaltlich zärtlicher geworden ist. ZOO (1993) beobachtet den Alltag im Miami Metrozoo und legt die Ambivalenz zwischen Fürsorge und Kontrolle offen. LA DANSE (2009) und NATIONAL GALLERY (2014) öffnen die Türen zweier europäischer Kulturtempel und machen sichtbar, wie viel Arbeit, Geld, Politik und Vermittlung hinter scheinbar „zeitloser“ Kunst stehen. EX LIBRIS (2017) folgt der New York Public Library als demokratischem Nervensystem einer Stadt, in der Bildung und Zugang zu Information umkämpft sind. MENUS PLAISIRS (2023) schließlich verlegt Wisemans Institutionenblick in die Welt der Haute Cuisine und zeigt, wie Tradition, Familiengeschichte und Klassenverhältnisse in einem Menü eingeschrieben sind.

In ihrer Summe erzählen diese Filme auch Wisemans eigene Geschichte: vom skeptischen Analytiker amerikanischer Machtapparate zum neugierigen Chronisten einer globalisierten Kulturökonomie. Seine leise Radikalität besteht darin, uns lange genug hinschauen zu lassen, bis aus Abläufen Geschichten werden.