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Filmreihe

Das Auge des Kinos (#2) – Fritz Lang

Datum 7.10. bis 5.11.

Location Metro Kinokulturhaus

1933 erlebt Lang hautnah mit, wie die Nazis nach ihrer Machtübernahme den Staat umbauen. Während DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE verboten wird, zitiert ihn Goebbels Anfang April zu sich. Über dieses Treffen, bei dem ihm die »Führerschaft« des nationalsozialistischen Films angeboten wird, und seine angebliche Abreise noch am selben Abend, hat Lang immer wieder wortreich fabuliert. Fakt ist: Das Treffen hat stattgefunden, Lang verlässt Deutschland aber erst im Juni. Dazwischen lernt er noch Lily Latté kennen, die Frau, die ihn später in die USA begleiten und bis zu seinem Tod bei ihm bleiben wird. Nach einem kurzen Intermezzo in Frankreich (von dem dort gedrehten LILIOM gibt es momentan leider kein adäquates Vorführmaterial) trifft er am 12. Juni 1934 in New York ein, einen Vertrag mit MGM in der Tasche und von der US-Presse begeistert empfangen.

In Hollywood muss er jedoch feststellen: »Amerika arbeitet nicht nach Manuskripten, sondern nach Rezepten.« Erste Projekte zerschlagen sich, und seine Anstellung steht auf der Kippe. Eine kostengünstige Produktion soll ihn retten. FURY ist wieder eine Geschichte eines Einzelnen im Kampf gegen überlegene Kräfte, wie sie Lang zupasskommt: Genrekino gepaart mit Elementen des damals populären Sozialdramas. »Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, Filme sollen unterhalten. Sie sollen auch unterhalten, aber nicht nur.« Bei den Dreharbeiten kommt es jedoch häufiger zu Konflikten zwischen Schauspielern und Crew mit dem »schwierigen«, weil perfektionistischen, Regisseur, der sich dem System Hollywood nie gänzlich unterordnen will. Er erlebt Erfolge und Misserfolge, ist mal abgeschrieben und mal angesagt.

Zugunsten eines an Wochenschauen geschulten Realismus schraubt er auch das Künstlerisch-Expressive in seinen Bildern zurück. Seine Bösewichte schmieden nun nicht mehr aus dem Untergrund irgendwelche Komplotte, sondern begegnen uns in Gestalt gutgekleideter Bürger. Dadurch ist die Bedrohung nicht weniger abstrakt – im Gegenteil: Sie steckt in Institutionen, in der Masse, im Gesetz, manchmal sogar im eigenen Nachbarn. Was Lang schon in seinen deutschen Filmen beschäftigt hat, findet in Amerika neue Schauplätze und Gesichter. Je länger Lang in Hollywood arbeitet, desto deutlicher zeigen ihm Produzenten, Studios und Zensur Grenzen auf. Lang bleibt ein Fremdkörper im System – gerade darin liegt die produktive Spannung dieser Werkphase. Zwischen Gangsterfilm, Western, Antikriegsfilm und Noir entsteht ein Kino, in dem amerikanische Genres auf einen zutiefst europäischen Blick treffen: der ist vielleicht über die Jahre nüchterner geworden, aber nach wie vor misstrauisch gegenüber der Welt.
(Florian Widegger)