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Gaza to Oscar / The Virgin and Child
GAZA TO OSCAR, inszeniert von Alaa Damo, ist ein dokumentarischer Essay über das Kino als Überlebensstrategie und als Medium geopolitischer Sichtbarkeit. Der Film operiert auf zwei Ebenen: als intimes Porträt eines Filmemachers im Spannungsfeld globaler Aufmerksamkeit und zugleich als strukturelle Reflexion über Festivalzirkulationen, Preisökonomien und das symbolische Kapital internationaler Anerkennung.
Damo verwebt beobachtende Aufnahmen mit selbstreflexiven Kommentaren zu Produktionsbedingungen, eingeschränkter Mobilität und der infrastrukturellen Prekarität des Filmemachens unter Belagerung. Das Ergebnis ist eine vielschichtige Darstellung künstlerischer Praxis unter politischem Druck. GAZA TO OSCAR befragt letztlich Fragen der Repräsentation, kulturellen Zirkulation und das ambivalente Versprechen globaler Anerkennung innerhalb zutiefst asymmetrischer Machtstrukturen.
Im Anschluss Artist Talk mit Alaa Damo
THE VIRGIN AND CHILD ist ein kompromissloses Spielfilmdrama, das Avesta begleitet – eine junge kurdisch-jesidische Frau und Überlebende des sogenannten „Islamischen Staates“ (ISIS). Ihr Leben wird gewaltsam zerstört, als sie entführt und an den belgischen Dschihadisten Mohamed Redouane als Sexsklavin verkauft wird. Nachdem sie schwanger wird, gelingt ihr die Flucht; schließlich erreicht sie als Geflüchtete Brüssel, getragen von einem klaren Ziel: den Mann, der sie versklavte, juristisch zur Rechenschaft zu ziehen. Das durch Gewalt gezeugte Kind will sie nicht, doch sie bringt es als lebendigen Beweis des an ihr begangenen Verbrechens zur Welt.
Formal orientiert sich der Film an einer strengen Direct-Cinema-Ästhetik. Er verzichtet auf melodramatische Zuspitzung zugunsten genauer Beobachtung, formaler Zurückhaltung und emotionaler Nähe. Trauma wird nicht explizit ausgestellt, sondern entfaltet sich über Dauer, Stille und Wiederholung – über Avestas physische Präsenz und alltägliche Gesten.
Auf soziologischer Ebene verortet der Film die individuelle Geschichte innerhalb der systematischen Ausbeutung weiblicher Körper durch den IS, insbesondere gegenüber jesidischen Frauen. Ihre Versklavung fungierte sowohl als Instrument ideologischen Terrors als auch als ökonomische Strategie. Indem der Film die Nachwirkungen dieser Gewalt – ihre rechtlichen, körperlichen und psychischen Konsequenzen – in den Mittelpunkt rückt, legt er strukturelle Bedingungen offen, die Überlebende auch lange nach ihrer Flucht weiterhin marginalisieren.